HRC RADAR – Oktober

Von Janine Koska ·

Was bleibt. Was sich verändert. Was Organisationen jetzt im Blick haben sollten.

Der Oktober bringt mehrere Entwicklungen zusammen: neue digitale Verfahren, eine große Tarifrunde, letzte Vorbereitungen für verpflichtende digitale Payroll-Prozesse und Themen, die 2027 deutlich relevanter werden.

Denn manche Änderungen greifen unmittelbar. Andere noch nicht. Aber bei vielen lohnt es sich, im vierten Quartal nicht erst dann zu reagieren, wenn die neue Regel schon auf dem Tisch liegt.

1. Das Führungszeugnis wird digitaler

Zum 1. Oktober sollen die gesetzlichen Regelungen rund um das neue digitale Führungszeugnis in Kraft treten. Für Führungszeugnisse zu privaten Zwecken soll damit perspektivisch eine digitale Bereitstellung möglich werden. Die technische Umsetzung ist komplex; nach den Gesetzesmaterialien wird mit der praktischen Verfügbarkeit im Laufe des Oktobers gerechnet. 

Für HR klingt das zunächst nach einer kleinen Verwaltungsänderung. Relevant wird sie überall dort, wo Führungszeugnisse Teil von Recruiting- oder Onboardingprozessen sind, etwa in Betreuung, Bildung, Pflege, Sicherheit oder anderen sensiblen Tätigkeitsfeldern.

Die praktische Frage lautet deshalb nicht nur: Kann ein Nachweis jetzt digital eingereicht werden?

Sondern auch:

Kann unser Recruitingprozess ihn verarbeiten?
Ist geklärt, wie die Echtheit überprüft wird?
Wer darf darauf zugreifen?
Und wie lange dürfen bzw. müssen entsprechende Informationen gespeichert werden?

2. Die Metall- und Elektroindustrie startet in eine große Tarifrunde

Ab Oktober laufen in der Metall- und Elektroindustrie Tarifverträge aus. Mit rund 3,7 Millionen Beschäftigten ist sie die größte Tarifbranche Deutschlands.  

Für Mitteldeutschland ist diese Entwicklung besonders interessant, weil Industrieunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen direkt oder indirekt von der Tarifentwicklung betroffen sind. 

Und auch für nicht tarifgebundene Unternehmen lohnt sich der Blick, denn ein Tarifabschluss wirkt häufig über den unmittelbaren Geltungsbereich hinaus. Er kann Erwartungen an Entgelt, Sonderzahlungen, Arbeitszeit oder Beschäftigungssicherung verändern und damit auch Recruiting und Bindung beeinflussen.

Gerade in technischen Berufen stellt sich deshalb im Herbst eine strategische Frage:

Wie wettbewerbsfähig ist unsere Vergütung, wenn sich der Markt um uns herum bewegt?

3. Für Payroll beginnt der Endspurt Richtung 2027

Nicht jede relevante Änderung startet im Oktober. Manche haben aber genau jetzt ihre letzte reguläre Vorbereitungsphase, wie die elektronische Führung von Entgeltunterlagen.

Arbeitgeber, die bislang aufgrund einer genehmigten Befreiung noch nicht vollständig elektronisch arbeiten, müssen spätestens für neue Sachverhalte ab 1. Januar 2027 umgestellt sein. Auch bei der elektronisch unterstützten Betriebsprüfung endet die bisher mögliche Ausnahme zum Jahresende. Ab 2027 sind Ausnahmen nicht mehr vorgesehen. 

Damit wird das vierte Quartal zur Umsetzungsphase.

HR, Payroll, IT und gegebenenfalls Steuerberatung sollten deshalb nicht nur prüfen, ob die richtige Software vorhanden ist. Entscheidend sind auch Schnittstellen, Ablagestrukturen, Verantwortlichkeiten und die Frage, ob die Prozesse im Alltag tatsächlich funktionieren.

Ein kleines technisches Detail kann sonst schnell zum großen Prozessproblem werden.

4. Kurzarbeit: Jetzt schon auf Januar schauen

Auch beim Kurzarbeitergeld wird Oktober zum Vorbereitungsmonat.

Die aktuell verlängerte Bezugsdauer von bis zu 24 Monaten gilt nur bis zum 31. Dezember 2026. Danach greift nach aktuellem Stand wieder die reguläre maximale Bezugsdauer von zwölf Monaten.  

Für Unternehmen, die bereits Kurzarbeit nutzen oder sie für die kommenden Monate in Betracht ziehen, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Bezugsmonate, Unterbrechungen und die Personalplanung für 2027.

Gerade in wirtschaftlich unsicheren Situationen reicht es nicht, ausschließlich auf die kurzfristige Auslastung zu schauen. Kurzarbeit ist immer auch eine Frage von Workforce Planning:

Welche Kompetenzen wollen wir halten?
Wo lohnt sich Qualifizierung?
Und welche Kapazitäten brauchen wir, wenn sich die Auftragslage wieder verbessert?

5. Entgelttransparenz: Noch keine neue Oktoberpflicht, aber kein Thema zum Abwarten

Deutschland hat die Umsetzungsfrist im Juni 2026 nicht eingehalten. Noch im Juli teilte die Bundesregierung mit, dass Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf laufen und einzelne Fragen geklärt werden. Auch Anfang September wurde im Bundestag weiterhin die Vorlage eines Umsetzungsgesetzes gefordert; eine neue nationale Oktoberpflicht ist daraus bislang nicht entstanden.  

Das bedeutet aber nicht, dass HR das Thema vertagen sollte.

Im Gegenteil: Unternehmen können bereits heute prüfen, wie transparent und nachvollziehbar ihre Vergütungsstrukturen eigentlich sind.

Die eigentliche Herausforderung liegt in der Frage, ob Unternehmen ihre eigene Vergütungslogik erklären können.

6. Und beim HRC? 

Auch beim HR CAMPUS Mitteldeutschland gibt es im Oktober etwas Neues: Nach dem Super Early Bird startet jetzt unsere Early-Bird-Phase.

Bis zum 31. Oktober 2026 bekommt ihr 15 % Rabatt auf die Company Experience und die Community Experience für den HRC 2027.

Am 09.–10. Juni 2027 bringen wir in Magdeburg wieder Menschen zusammen, die Arbeitswelt nicht nur beobachten, sondern mitgestalten wollen – mit echten Cases, neuen Perspektiven, Austausch auf Augenhöhe und sieben Fokusthemen rund um Führung, Kultur, Transformation und Zukunftskompetenzen.

Wenn ihr 2027 mit eurem Team Teil der #hrcfamily sein wollt, ist der Oktober also auch dafür ein guter Zeitpunkt.

Was heißt das für HR im Oktober?

HR-Prozesse werden digitaler, transparenter und stärker mit strategischen Organisationsfragen verknüpft.

Deshalb würden wir für den Oktober nicht nur eine To-do-Liste empfehlen, sondern vier Perspektiven:

+ Prozesse prüfen: Wo greifen neue digitale Anforderungen in Recruiting, Payroll oder Dokumentation ein?

+ Risiken früh erkennen: Welche Änderungen zum Jahreswechsel brauchen schon heute Vorbereitung?

+ Markt beobachten: Was bedeuten Tarifentwicklungen und Vergütungstrends für die eigene Wettbewerbsfähigkeit?

+ Nicht nur Compliance denken: Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen auf Führung, Kultur, Bindung und Employee Experience?

Proaktivität beginnt dort, wo Organisationen verstehen, was sich verändert und was sie daraus für sich machen müssen.